|
||
|
Bevor ich Sault für die heute geplante Provence-Entdeckungsfahrt verlasse, gönne ich mir nocheinmal einen Besuch bei dem Bäcker um die Ecke, der seine Verkaufstheke gleich in der Backstube aufgestellt hat. Und wie gestern verfalle ich den überwältigenden Sinneseindrücken derart, dass mein Einkauf nicht nur zum Frühstück, sondern auch noch als Wegzehr reicht. Dann treibt mich aber schon bald die Neugier über St. Jean de Sault Richtung Süden. Roussillon, das Mekka des Ocker, zieht mich heute so an, wie gestern das Observatorium. Außerdem warte ich gespannt darauf, welchen Eindruck der Mont Ventoux vom Plateau de Vaucluse aus hinterlässt. Zwischen St. Jean de Sault und Lioux zieht sich die Straße an der rechten Flanke eines schmalen, vollständig aber locker bewaldeten Kerbtals dahin. So luftig kann Wald wirken wenn man zur richtigen Tageszeit und bei der richtigen Witterung unterwegs ist. Noch hängen meine Wahrnehmungen und Gedanken bei dem, was das Zusammenspiel von Licht und Farbe ausmacht, taucht der rotbraune Hügel vor mir auf, der von Roussillon bekrönt wird. In dem Städtchen mit seinen engen Gassen und erhabenen Aussichtspunkten trifft man allerorten auf Malurlauber. Sie halten die schweren, durch das Licht aber deutlich leichter wirkenden Fassadenfarben gleich mit den hier allgegenwärtigen Pigmenten fest. Nach einem Besuch in den Ockerbrüchen und der kleinen Fabrik in der einst die Pigmente aus der rotbraunen Erdmasse gewonnen wurden, geht es wieder hinunter in die den Roussillon-Hügel umgebende Ebene. Nicht viel später klettere ich über Gordes hinauf in den Landstrich der sich Plateau de Vaucluse nennt, aber recht wellig daherkommt. Während sich die Straße durch Obstplantagen, Weinreben und Krüppelkiefern nach Norden zum Col de Murs windet, habe ich ausreichend Gelegenheit diesen unscheinbaren Mont Ventoux nocheinmal als Ganzes in meine Erinnerung einzugraben. Nur die verschwindend kleine Spitze am Horizont, das Observatorium, gibt einen Hinweis auf die Maßstäbe mit denen man es zu tun hat. Ziemlich kurvig geht es vom Col de Murs durch eine Schlucht hinunter nach Venasque, nach Roussillon und Gordes das letzte der "schönsten Dörfer Frankreichs", das heute auf meinem Reiseplan steht. Immer wieder kommen mir radelnde Sportsfreunde entgegen. Unten in der Rhône-Ebene wird mir klar, dass der Col de Murs von dieser Seite ein richtig guter Trainingsberg ist. 600 Meter Höhendifferenz in abwechslungsreicher Landschaft, dafür nimmt man wohl auch den Asphalt in Kauf, der wohl schon einige Jahrzehnte gesehen hat. Bevor der Etappenort Orange greifbar wird, verliere ich mich kurz im hektischen Feierabendverkehr von Carpentras. Von Osten kommend muss ich quer durch die Stadt, reinkommen ist nicht schwer, aber der Port d´Orange, will sich nicht so leicht finden lassen. Kurz vor Orange wirft die Sonne ihre letzten Strahlen übers Land. Im Bahnhof der gepflegten Stadt gilt es nun, die Zugverbindung klar zu machen, mit der ich morgen über Grenoble zurück nach Annecy fahren werde. Gleich neben dem Bahnhof gibt es ein Zimmer, ich dusche und beginne in der Hotelgarage mein Rad so zu verkleineren und zu verpacken, dass es die Schaffner der SNCF als Gepäckstück durchgehen lassen. In der Innenstadt finde ich neben dem mächtigen und imposant illuminierten Théâtre Antique noch etwas zu essen. Zum Ausklang verlieren sich meine Wege in einer Bar. |